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Reif für die Insel - Tag 11

Freitag, 02.09.2011: Als wir heute beim Frühstück sitzen, bleibt der Platz von Monika und Luis auf der gegenüber liegenden Tischseite verdächtig lange leer. Claudia vom Tisch schräg gegenüber fragt: „Ob die wieder mal verschlafen haben? Ich geh lieber mal klopfen.“ Fünf Minuten später ist sie wieder unten. „Luis ist schon wach. Er stand in der Tür und meinte, er hätte die Mama schon fünfmal versucht aufzuwecken, sie würde einfach nicht aus dem Bett kommen.“………………………………………….. Mein heutiges Vormittagsprogramm besteht aus einer schweißtreibenden Stunde Aerobic mit fiesem Bauchmuskeltraining und einem sehr netten Gespräch mit der Kurhaus-Psychologin Frau Nord, die mir meine innere Aufgeräumtheit bestätigt und mich mit der Bitte entlässt, die immens positive Ausstrahlung, die von mir ausgeht, beizubehalten und bestmöglich auf die anderen Damen zu übertragen. Meine nächste Mission heißt aber erstmal: der nervenaufreibende Kampf um eine freie Waschmaschine. Normalerweise könnte es so einfach sein: man geht in die Küche seiner Etage, trägt sich für eine bestimmt Uhrzeit in die „ich-möchte-waschen“-Liste ein und wäscht um diese Zeit. Feddich. Möchte man anschließend waschen, addiert man zu der Startzeit der Waschvorgängerin 1,5 Stunden dazu (denn solang läuft das Waschprogramm) und trägt sich im Anschluss ein. Als ich, wie in der Liste von mir angekündigt, pünktlich um halb zwölf vor der Waschmaschine stehe, hat sich NACH meinem Eintrag jemand für 11 Uhr eingetragen. Die Maschine rödelt jetzt natürlich noch lustig eine Stunde vor sich hin, bevor ich meine Wäsche waschen kann. Nach mir steht aber um 14 Uhr schon wieder jemand in der Liste, der sich zurecht fragen wird, ob ich nicht in der Lage bin, meine Wäsche pünktlich an- und wieder auszustellen. Ich gucke auf der Anzeige der Waschmaschine nach, wie lang der Waschgang noch genau läuft und stelle mir, Fuchs wie ich bin, für fünf Minuten eher meinen Handywecker, um auch ja vor Ort zu sein, wenn diese Maschine zuende läuft, um meine Wäsche direkt im Anschluss in die Trommel zu hauen, damit sich nicht wieder jemand vordrängelt. Ich lese ein Stündchen bei strahlendem Sonnenschein auf dem Balkon und springe wie von der Tarantel gestochen auf, als mein Handywecker klingelt. Ich schnappe mir meinen vollen Korb Wäsche samt Waschpulvertab und stürze den Flur entlang Richtung Küche. Gott sei Dank, die Maschine läuft noch, und es ist niemand anders zu sehen, der sie mir streitig machen will. Als die Maschine drei Minuten später durch ist, räume ich sie eigenhändig aus und packe sie mit meiner Wäsche voll. Auf die Liste schreibe ich: „Sorry, konnte meine Maschine nicht pünktlich starten, weil sich NACH mir jemand mit einer früheren Zeit dazwischen geschoben hat.“ Als ich am Ende des Waschgangs wiederkomme, um die Maschine zu leeren, steht auf der Liste: „Sorry, hatte nicht verstanden, dass man sich vorab eintragen muss, um die Maschine zu reservieren.“ Ja, nicht verzagen, Miri fragen! Als das Wetter um halb drei immer noch so schön ist, hole ich Fynn mit gepackter Strandtasche aus der Betreuung ab und gehe direkt mit ihm zum Strand. Dort angekommen, stürzt er sich sofort in die Fluten. Da es heute recht windig ist, bringt die Flut tolle Wellen mit, in die er sich wieder mit Riesen-Spaß reinschmeißt. Nachdem ich ein paar „Fynn-legt-sich-mit-der-großen-Welle-an“-Szenen mit der Kamera festgehalten habe, kann ich auch nicht wiederstehen und stürze mich mit in die Wogen. Fynn und ich haben Spaß wie Bolle! Platt, salzig und total eingesandet machen wir uns zur Abendbrotzeit auf den Rückweg. Nach dem Abendessen fragt uns Heike, was wir noch vorhätten und ob wir nicht mal irgendwo was trinken gehen sollten, was nicht nach Wasser oder Tee schmeckt. Nichts lieber als das. Also machen wir uns kurze Zeit später auf den Weg in die Stadt, um im Conversationshaus erstmal eine Runde im Internet zu surfen. Als wir über den Kurplatz laufen, sehe ich drei Frauen und denke: „Das ist ja lustig, die sehen aus wie meine Mutter, meine Cousine und deren Freundin.“ Als mich die drei angrinsen und rüberwinken, dämmert es mir so langsam, dass es wohl wirklich meine Mutter, meine Cousine und deren Freundin SIND! Mit großen Augen und ebenso großem Hallo begrüße ich die drei. „Was macht ihr denn hier???“ Dass die Damen einmal im Jahr ein Mädels-Wochenende auf Norderney verbringen, wusste ich. Dass dieses Wochenende genau in die Zeit unserer Kur fallen würde, wusste ich nicht – und meine Mutter hatte auch keinen Ton erwähnt. Die Überraschung ist den dreien gelungen. Zusammen mit Heike und ihrer Tochter suchen wir uns einen Tisch im Extrablatt und bestellen uns was zu trinken. Als das 0,4 l große Alster vor mir steht, fange ich bald an zu sabbern. Fast zwei Wochen ohne Alkohol (die heimlichen Becherchen Wein auf meinem Zimmer zählen wir jetzt mal nicht) – na dann mal Prost!!! Die Stadt hat sich am heutigen Abend merklich gefüllt. Es ist Anfang September, die Fussballmannschaften und Kegelclubs fallen über die Insel her. Während Heike und ich genüsslich unsere Getränke schlürfen, planen meine Mutter, meine Cousine und ihre Freundin den nächsten Tag. Die eine will zu dem Strand, die andere zu dem, der einen ist das zu weit, der nächsten zu kurz, der dritten wieder zu blöd…Heike und ich grinsen uns an: schwierig, wenn man nur zwei Tage auf der Insel ist, und alles an Programm in die kurze Zeit packen muss. Da sind wir mit unseren mittlerweile fast zwei Wochen Inselfeeling echt tiefenentspannt. Während die drei Damen munter weiter diskutieren, machen Heike und ich uns samt unserer Kinder wieder auf den Rückweg zum Kurhaus. Es ist kurz vor zehn, und um die Zeit sollten am Wochenende eigentlich alle Schäfchen wieder eingetrudelt sein. Wir verabschieden uns von den Mädels, und ich (meines Zeichens schmerzfrei) rufe über den ganzen Platz: „Fynn, komm schnell, is gleich zehn Uhr, Mama muss wieder zurück ins Heim!“ Heike bepinkelt sich noch den kompletten Rückweg vor Lachen, weil sie meint, den zahlreichen Kegelclubherren hätte durchgängig der Mund offen gestanden. Mit fast ´nem halben Liter Alster intus und dann auch noch sooo spät (für Mutter-Kind-Kur-Verhältnisse IST halb elf spät!) schlafe ich kurze Zeit später wie ein Stein. Gute Nacht!

3.9.11 21:27
 
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